Schmerzsyndrome im Alter


Generell leiden ältere Menschen häufiger unter Schmerzen, weil fast alle Organe im Alter Abbauvorgängen unterliegen. Zum Beispiel unterliegt der Bewegungsapparat degenerativen Veränderungen, die Wirbelsäule, Gelenke und Muskulatur betreffen. Auch das Nervensystem altert und wird dabei anfälliger für Schädigungen, die zu chronischen Schmerzen führen.

25 bis 50% der geriatrischen Patienten haben chronische oder rezidivierende Schmerzen, unter Bewohnern von Pflegeheimen sind es 45 bis 80%. Schmerzhafte degenerative Gelenkerkrankungen, Tumorschmerz sowie neuropathische Schmerzen sind die häufigsten Schmerzsyndrome bei geriatrischen Patienten. Schmerz beeinträchtigt den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. So stehen Schmerzen in direktem Zusammenhang mit der Aktivität eines alten Menschen, seiner Lebensfreude und auch seiner sozialen Kompetenz.

 

Schmerzschwelle im Alter

Noch immer sind Vorurteile zum chronischen Schmerz alter Menschen weit verbreitetet, wie beispielsweise:
 

  • Schmerz gehört zum Alter und ist daher schicksalhaft – FALSCH!
     
  • Ältere Menschen haben im Vergleich zu jüngeren ein reduziertes Schmerzempfinden – FALSCH!
     
  • Der Schmerztherapie-Bedarf sinkt mit zunehmendem Lebensalter – FALSCH!

 

Entgegen früherer Annahmen geht man heute davon aus, dass sich die Schmerzschwelle im fortgeschrittenen Alter nicht wesentlich ändert. Aus der experimentellen Schmerzforschung gibt es dazu allerdings widersprüchliche Befunde.

Aus klinischen Erfahrungsberichten ist bekannt, dass bei alten Patienten Myokardinfarkte oder Koliken relativ schmerzlos verlaufen können – und dies nicht nur bei Diabetikern. Außerdem erleben oder interpretieren alte Menschen Schmerzen möglicherweise anders als junge („Im Krieg viel erlebt...“). Unstrittig ist der starke Einfluss psychosozialer Faktoren (z. B. Alleinsein) und psychiatrischer Erkrankungen (z. B. Depression) auf das Schmerzempfinden (Schmerzschwelle sinkt, d. h. ein geringerer Reiz wird als Schmerz empfunden). Häufig bildet sich ein Teufelskreis aus Schmerz und Depression heraus (Depression senkt die Schmerzschwelle, Schmerz verstärkt die Depression).

Darüber hinaus haben ältere Personen einen veränderten Stoffwechsel und leiden häufig nicht nur unter Schmerzen, sondern einer Vielzahl anderer Symptome und Erkrankungen, die ebenfalls behandelt werden müssen. Die Schmerzmedikamente müssen dann sehr sorgfältig mit den anderen Arzneimitteln abgestimmt werden, um Neben- und Wechselwirkungen gering zu halten.