Patienten mit Demenz – Schmerzmanagement


Für Demenzkranke führt ein konsequentes Schmerzmanagement zu erheblichen Verbesserungen sowohl der Lebensqualität als auch der kognitiven Leistungsfähigkeit. Pflegeheimpatienten ohne Schmerztherapie haben einen signifikant niedrigeren MMST-Score als Patienten mit Schmerztherapie. Es wird vermutet, dass es im Rahmen der Alzheimererkrankung primär zu Veränderungen im affektiven Schmerzerleben kommt, während die sensorische Schmerzkomponente erst in späten Erkrankungsstadien betroffen ist. Demenzkranke verlieren im Krankheitsverlauf das gelernte Wissen darüber, was ein Schmerz ist (Verlust des begrifflichen Konzepts). Sie wissen nicht mehr, dass die unangenehme Empfindung eines Schmerzes etwas mit einer Krankheit oder Verletzung ihres Körpers zu tun haben kann und wissen nicht mehr, wie sie sich in diesem Fall Unterstützung und Hilfe suchen können – die gedankliche Verbindung der Schmerzempfindung zum eigenen Körper kann gänzlich verloren gehen. Der so genannte „Schmerzaffekt, also die gefühlsmäßigen Reaktionen auf einen Schmerz, kann sich durch Veränderungen im limbischen System verändern, d.h. übliche emotionale Reaktionen auf eine Schmerzempfindung wie Angst, Unruhe oder Ähnliches können ausbleiben oder sich verändern.

Veränderungen in der affektiven Verarbeitung des Schmerzreizes bei dementen Patienten konnten schließlich zu atypischen Verhaltensreaktionen wie Angst, Agitation (krankhafte Unruhe) oder Aggressivität fuhren. Durch demenzbedingte neurologische Veränderungen konnte umgekehrt im Einzelfall auch eine Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzreizen oder gesteigerte Schmerzempfindungen entstehen. Beispielsweise kann es dann sein, dass sie laut „Aua“ rufen, wenn sie sich vor etwas ängstigen, sich einsam fühlen oder sich durch eine zu schnelle Bewegung eines Betreuenden verunsichert fühlen. Weitere mögliche Veränderungen bei Alzheimer-Demenz sind eine veränderte Schmerzwahrnehmung, eine veränderte physiologische Antwort auf Schmerzreize und eine veränderte Wirksamkeit eines Schmerzmittels.

 

Schmerzassessment – Methoden und Tools

Entscheidende Pfeiler des Schmerzmanagements sind die Schmerz-Ersteinschätzung und die fortlaufende Schmerzerfassung. Zwar weiß der Patient selbst am besten, ob und welche Schmerzen er hat, doch ist ein direktes Befragen von fortgeschritten dementen Patienten wegen der kognitiven Einschränkungen oft nicht mehr möglich. Die Spezifität der Mimikreaktion zeigt sich weitestgehend unbeeinflusst von der Demenz und gilt auch bei Demenzpatienten als valider Kommunikationskanal des subjektiven Schmerzerlebens.