Rheumatische Erkrankungen: Rheumatoide Arthritis


Die Rheumatologie benennt mehr als 100 verschiedene rheumatische Krankheiten. Viele betreffen nicht nur das Bewegungssystem. Je nach Krankheitsbild können auch Haut, innere Organe oder das Nervensystem beteiligt sein. Es werden nicht-entzündliche Gelenkerkrankungen, entzündliche Gelenkerkrankungen und Weichteilerkrankungen unterschieden.

Hauptmerkmal rheumatischer Erkrankungen ist ein lokaler oder generalisierter Schmerz des Bewegungsapparates. Bei nicht-entzündlichen Gelenkerkrankungen sind Schmerzen häufiger chronisch, bei entzündlichen Gelenkerkrankungen dagegen häufiger akut mit rezidivierenden Episoden.

Rheumatische Schmerzen sind die Hauptursache von Morbidität, verstärkter Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, Arbeitsunfähigkeit und Invalidität. Die beruflichen und psychologischen Auswirkungen sind vielfältig und sollten bei der Beurteilung rheumatischer Schmerzen stets Berücksichtigung finden.

In der Praxis sind Erkrankungen des Bewegungsapparates am häufigsten anzutreffen, darunter besonders die entzündliche Gelenkerkrankungen rheumatoide Arthritis, Osteoarthritis, ankylosierende Spondylitis und Fibromyalgie.

 

Rheumatoide Arthritis

Etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung leidet an rheumatoider Arthritis, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung.1 Frauen zwischen 30 und 45 sind am häufigsten betroffen. Es gibt eine leichte familiäre Prädisposition.[2,3]

Die Ätiologie der rheumatoiden Arthritis ist noch unbekannt. Möglicherweise führt ein durch Umweltfaktoren ausgelöster Gendefekt zu einer fehlerhaften Immunantwort, meistens in der Synovialmembran. Dadurch wird eine chronische Entzündung der Synovialmembran in den Gelenken induziert, die mit Zerstörung von Knorpel, subchondralen Knochen und Sehnen einhergeht.

In der Regel beginnt die rheumatoide Arthritis schleichend. Bei chronisch fortschreitender Erkrankung leiden die Patienten anfänglich an einer schmerzhaften Morgensteifigkeit der kleinen Gelenke (z.B. Finger), die bei Bewegung und Berührung schmerzempfindlich sind. Später breitet sie sich zentripetal auf die größeren Gelenke aus und führt zu funktionellen Beeinträchtigungen an den Gelenken. Auch schmerzhafte symmetrische Schwellungen sind ein typisches Symptom. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es nicht selten zur Deformation der Gelenke. Schmerzen treten dann in Ruhephasen sowie gegen Ende der Nacht und am Morgen auf.

Eine extraartikuläre Begleiterscheinung der rheumatoiden Arthritis sind Rheumaknoten, die sich häufig subkutan an den Streckseiten der Gelenke zeigen. Rheumaknoten kommen nur selten zu Krankheitsbeginn vor, sind jedoch ein deutliches Indiz für eine rheumatoide Arthritis.

 

Referenzen:
1 Musculoskeletal Health in Europe. Report v5.0. http://www.eumusc.net/workpackages_wp4.cfm; last access: 28.07.2015
2 Symmons D. Epidemiology and the rheumatic diseases. In: Watts RA, Conaghan PG, Denton C, Foster H, Isaacs J, Müller-Ladner U (Hrsg.): Oxford Textbook of Rheumatology (4 ed.), Chapter 27. Oxford (Oxford University Press) 2013
3 Liao KP, Karlson EW. Classification and epidemiology of rheumatoid arthritis. In: Hochberg MC, Silman AJ, Smolen JS, Weinblatt ME, Weisman MH (Hrsg.) Rheumatology (6th edition), Philadelphia (Elsevier) 2015, Chapter 83, p. 691-697