Physiotherapie


Sowohl bei nozizeptiven als auch neuropathischen Schmerzen ist Physiotherapie neben der pharmakologischen Behandlung das wichtigste konservative Verfahren in der Schmerzbehandlung. Es zielt darauf ab, die Funktionen des Organismus zu verbessern oder wieder herzustellen. Hierbei kommen passive als auch aktive Methoden unter Mitarbeit des Patienten zum Einsatz.

Preuße/Römer, in Schmerztherapie: Akutschmerz, chronischer Schmerz, Palliativmedizin, Thomas Standel et al, 2010, Thieme Verlag, S. 148

Generell verursachen Schmerzen – insbesondere chronische – auch strukturelle und funktionelle Veränderungen am Bewegungssystem: Unzureichend koordinierte Bewegungs- und Haltungsmuster führen über Muskeldysbalancen und -adynamien zu funktionellen und strukturellen Bewegungseinschränkungen. Dies kann sich auch somatisch in Muskelverkürzungen, Atrophie, Trigger- und Tenderpoints niederschlagen, die wiederum über Bewegungseinschränkungen den Schmerz unterhalten oder gar verstärken.

Preuße/Römer, in Schmerztherapie: Akutschmerz, chronischer Schmerz, Palliativmedizin, Thomas Standel et al, 2010, Thieme Verlag, S. 148

Insbesondere bei muskoskelettalen Beschwerden helfen Dehn- und Kräftigungsübungen, die Gelenke zu entlasten und ihre Nährstoffversorgung zu verbessern, Fehlhaltungen zu korrigieren oder vorzubeugen. Eine konsequente, tägliche Durchführung macht die Muskulatur geschmeidig und hilft, sie zu stärken.

Quellen:
Schmerztherapie: Akutschmerz, chronischer Schmerz, Palliativmedizin, Thomas Standel et al, 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2010, Georg Thieme Verlag

 

Akupunktur

Bei der Körperakupunktur werden feine Einmalnadeln in bestimmte Hautpunkte gestochen, wo sie etwa 20 bis 30 Minuten verbleiben, während sich der Patient auf der Liege entspannt. Nach dem Verständnis der chinesischen Medizin wird durch den Nadelreiz der Energie (Qi)-Fluss angeregt und reguliert. Blockaden und Störungen lösen sich auf. Viele Akupunkturpunkte befinden sich auf unsichtbaren Energiebahnen, den so genannten Meridianen. Verwendet werden aber auch Punkte außerhalb der Meridiane in der Nähe des Schmerzes. Es ist wissenschaftlich nicht restlos geklärt, welche Mechanismen im Detail bei einer Akupunktur im Körper ablaufen. Der stimulierende Reiz der Nadeln führt unter anderem im Gehirn zu einer vermehrten Ausschüttung schmerzlindernder und stimmungsaufhellender Substanzen.

Für eine Akupunkturtherapie gibt es keine Altersgrenze.


Angewendet wird Akupunktur bei akuten und chronischen Schmerzen wie
 

  • Schmerzen des Bewegungsapparates, z.B. Arthroseschmerzen, Schmerzen an Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule
     
  • Schmerzen bei Bandscheibenvorfall
     
  • Gesichts- und Kopfschmerzen, z.B. Migräne
     
  • Schmerzen des Kau- und Zahnsystems
     
  • Fibromyalgie
     
  • Tumorschmerzen
     
  • Schmerzen nach einem Schlaganfall
     
  • Karpaltunnel-Syndrom
     
  • Schmerzen bei Neuralgien, z.B. Trigeminusneuralgie
     
  • neuropathische Schmerzen, z.B. bei Gürtelrose (Zoster)

Quellen:
Akupunktur in der Schmerztherapie: Ein integrativer Ansatz, Bäcker, Marcus (Hrsg.) / Hammes, Michael G. (Hrsg.), Urban & Fischer Verlag 2004

 

Transkutane Elektrostimulation (TENS)

Ergänzend zur medikamentösen Therapie versprechen verschiedene nicht-medikamentöse Schmerztherapien Linderung.
Häufig angewendet werden so genannte Periphere Stimulationstechniken wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS-Verfahren). Diese Therapiemethode mit Hilfe elektrischer Hautstimulation hat eine lange Geschichte: Bereits im antiken Griechenland wurden elektrisierende Zitterrochen zur Behandlung von Kopf- und Gelenksschmerzen eingesetzt.
Das moderne TENS-Verfahren ist eine Stimulationsmethode zur Aktivierung des körpereigenen Schmerzhemmungssystem auf spinaler und supraspinaler Ebene. Im Schmerzbereich oder in der direkten Umgebung, aber auch über Trigger- und Akupunkturpunkten werden die Elektroden auf die Haut geklebt und auf eine besondere Frequenz eingestellt, die sich in der Regel nach der Art der Schmerzen richtet.

PainCompendium S. 249

Die Wirkweise der TENS beruht auf einer Aktivierung körpereigener spinaler und supraspinaler Schmerzhemm-Mechanismen. Welche Mechanismen überwiegen, hängt vor allem von der gewählten Frequenz ab: Die hochfrequente TENS stimuliert vorwiegend die dicken A-Beta-Fasern, die auf spinaler Ebene die Schmerzweiterleitung über A-delta- und C-Fasern hemmen. Die niederfrequente TENS stimuliert auch nozizeptive Fasern (A-delta- und C-Fasern) und aktiviert vermutlich durch eine erhöhte Endorphinausschüttung das supraspinale Schmerzhemmsystem.

PainCompendium S. 250

Die transkutane elektrische Nervenstimulation erfolgt in der Regel über einen tragbaren, batteriebetriebenen Impulsgenerator, der über Kabel mit Elektroden auf der Haut verbunden ist. Der Impulsgenerator ist im Allgemeinen mit einem Intensitäts-, einem Frequenz-, und einem Impulsbreiten(-dauer)regler sowie einem Mode-Selector ausgestattet.

PainCompendium S. 249

Quellen:
TENS: Transkutane elektrische Nervenstimulation in der Schmerztherapie, Raymund Pothmann (Hrsg.) et al, 4. Auflage 2010, Karl F. Haug Verlag

 

Psychologische Begleitmaßnahmen/Psychotherapie

Eine effiziente Schmerztherapie muss individuelle Einflussfaktoren berücksichtigen. Gerade bei chronischen Schmerzpatienten kann es hilfreich sein, einen Psychotherapeuten mit in die Schmerztherapie einzubeziehen. Er kann die biologischen, psychischen und sozialen Merkmale des aktuellen Schmerzverhaltens und -erlebens erheben und zu einem biopsychosozialen Schmerzmodell zusammenfassen.

In diesem, auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Schmerzmodell, werden die aktuellen Erlebens- und Empfindungsstile zusammengestellt, auf ihre Schmerzrelevanz geprüft und gegebenenfalls in Veränderungspläne überführt.

Je nachdem, ob ungünstige (dysfunktionale) Verhaltens- und Erlebensstile schon lange vor dem ersten Auftreten des Schmerzproblems erworben wurden oder erst danach, kommen anfänglich eher aufarbeitende (Konflikt-, Gedanken- und Beziehungsanalyse) oder vorwiegend modifikatorische (z.B. Aktivitätsänderung, Verhaltenslenkung) Therapieprinzipien zum Einsatz. Im weiteren Behandlungsverlauf werden funktionale Erlebens- und Verhaltensmuster soweit eingeübt, bis spürbare Verringerungen der chronischen Schmerzempfindung und der damit verbundenen Beschränkungen in der individuellen Lebensgestaltung erfolgen.

Erfahrungsgemäß gelingt es häufig zuerst, die schmerzbedingten Einschränkungen im alltäglichen Leben zu verringern, während sich die Abnahme der Schmerzempfindung erst mit einiger Verzögerung einstellt.

Es ist wichtig, den Patienten ausführlich über die Maßnahme zu informieren, damit dieser eine Vorstellung darüber erhält, was bei einer Psychotherapie geschieht. Niedergelassene Psychotherapeuten haben manchmal eigene Informationsunterlagen. Auch Buchtipps oder Kopien von Zeitschriftenartikeln können helfen, die Schwelle zur Beschäftigung mit den psychosozialen Faktoren des Schmerzes oder zur Aufnahme einer Psychotherapie zu senken.

Quelle: Schmerzpsychotherapie: Grundlagen, Diagnostik, Krankheitsbilder, Behandlung, Birgit Kröner-Herwig et al., 2011, Springer Verlag