Schmerztherapie in Österreich


In Österreich leiden etwa 1,7 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen1. Aber nur rund 20 Prozent der Betroffen fühlen sich adäquat behandelt2. Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Der erste Grund: chronischer Schmerz ist schwer zu diagnostizieren. In der Regel suchen die Betroffenen als erstes ihren Hausarzt auf. Erst wenn dessen Behandlungsversuche unter Zuziehung diverser Fachärzte nicht anschlagen, kommt es zu einer Überweisung an den Schmerz-Spezialisten. Erfahrungsgemäß kann dies mehrere Jahre dauern und bis Schmerzpatienten eine adäquate Therapie erhalten, haben sie oftmals eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich. Der zweite Grund: In Österreich ist der Stellenwert der Schmerztherapie noch immer sehr gering und es gibt zu wenig schmerztherapeutische Einrichtungen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken2. Die Arztpraxen sind überfüllt und Schmerzpatienten müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Für beide Seiten − Patienten und Ärzte – ist die derzeitige Situation unbefriedigend.

 

Herausforderung der Schmerztherapie

Die Schmerztherapie stellt Mediziner oft vor Herausforderungen. In jeder Schmerzbehandlung ist der rechtzeitige Einsatz der passenden Schmerzmedikamente und anderer nicht-medikamentöser Maßnahmen sehr wichtig, um eine Chronifizierung zu verhindern. Von einer Chronifizierung spricht man, wenn der Schmerz seine eigentliche Funktion als Warn- und Schutzsignal verloren hat und keine erkennbare physiologische Funktion mehr besitzt. Das Signal hat sich in das Schmerzgedächtnis eingebrannt und wird zu einer eigenen Erkrankung. Laut der Definition der Internationalen Gesellschaft zum Studium von Schmerz (IASP) existieren Schmerzen auch entkoppelt von direkten oder indirekten Gewebsschädigungen, in vielen Fällen ist kein Zusammenhang mehr zwischen der auslösenden Erkrankung und dem Schmerz selbst herstellbar.

 

Medikamentöse Schmerztherapie

Hohe Wirksamkeit und ein günstiges Nebenwirkungsprofil sind die Kernziele in der medikamentösen Therapie chronischer Schmerzen. Für jeden Patienten muss die individuelle Balance zwischen Wirkung und Nebenwirkung gefunden werden, damit neben einer bestmöglichen Schmerzlinderung auch eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht wird. Neue Therapieansätze können dabei helfen, das Leben der Betroffenen wieder so lebenswert wie möglich zu machen. In der akuten Schmerzbehandlung ist der rechtzeitige Einsatz der passenden Schmerzmedikamente sehr relevant, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Hat sich der Schmerz erst einmal manifestiert, ist die Behandlung oft sehr schwierig. Die Zielsetzung einer jeden medikamentösen Behandlung von chronischen Schmerzen ist die Linderung der Schmerzen – nicht zwangsläufig Schmerzfreiheit.

 

Referenzen:
1 Österreichischer Patientenbericht Chronischer Schmerz, 2009

2 Petition „Schmerztherapie in Österreich“ unter der Federführung der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) 2011